Persönliche Interviews von Yogama Lehrer*innen Alissa & James

ALISSA
1) Wie ist das Online-Unterrichten für Dich als NEW Teacher?
Zunächst hatte ich ein wenig Widerstand gegenüber dem Online-Unterrichten, PC & Yoga? Das passte für mich erst mal nicht zusammen, wollten wir nicht eigentlich mit der Yoga Praxis einen Gegenpol zu der Arbeit am Computer kreieren? Ich hatte auch etwas Angst, dass ein wichtiger Teil der Yoga Klasse nämlich der gemeinsame Raum und auch das gemeinsame Praktizieren so nicht möglich ist.
Doch wie so oft, haben sich meine Zweifel als Lernerfahrung herausgestellt. Gemeinschaftlichkeit ist auch über die Grenzen des Raumes hinweg möglich und im Online-Unterricht liegen so viele Chancen durch die Flexibilität. Was mich besonders freut ist, dass durch die Online Klassen auch Freunde außerhalb Berlins an meinen Klassen teilnehmen können und sogar meine Mama zur Yogama Kundin wurde. Mittlerweile haben wir die Hybrid Klassen – also ein paar Yogi*nis online und bis zu 7 vor Ort. Dass war zunächst natürlich auch eine Herausforderung - aber eine sehr schöne, die Vorteile der Online aber auch der Präsenz Klassen miteinander verbindet. Das freut mich unheimlich, denn trotz der Flexibilität des Online-Unterrichtens liebe ich es den Atem meiner Schüler*innen zu hören, ihre Präsenz im Raum zu spüren und das „Om“ gemeinsam zu singen.

2) Was hat Dich die Krise persönlich gelehrt und was war/ist eine gute Stütze für Dich?
Diese Krise hat für mich eine ganz besondere Qualität offen und frei gelegt, nämlich die der « Verletzlichkeit » bzw. « Verwundbarkeit ». Ich kenne niemanden, der in diesem Jahr nicht besonderen Herausforderungen begegnen musste und dabei nicht auch an die Grenzen der eigenen Kraft gestoßen wäre. Auch ich persönlich war in dieser Krise besonderen Umständen ausgesetzt, die meine Kraftreserven ganz schön ausgelotet haben. Doch genau darin lag die Chance mir meine eigene Verletzlichkeit einzugestehen, sie im Inneren und Äußeren sichtbar zu machen und ihr mit Sanftmut, Verständnis und Selbstliebe zu begegnen.
Raum zu nehmen für das « Nicht-müssen » und das « Sein-Dürfen » war und ist ein ganz besonderes Geschenk für mich, das ich vielleicht ohne die Krise nicht empfangen hätte können. Eine große Stütze war für mich dabei die Gemeinschaft, meine Freunde und Familie und jede*r Einzelne, die/der ebenfalls seine Verletzlichkeit sichtbar gemacht hat, dieses gemeinschaftliche „Boah-es-ist-jetzt-aber-wirklich-eine-schwierige-Zeit!“ zeigt für mich den besonderen Charakter dieser Krise, in der glaube ich viele eine ähnliche Erfahrung zum Thema « Verwundbarkeit » gemacht haben. Ein weiterer starker Anker war der Halt des Yoga, meiner persönlichen Sadhana – Yogapraxis, in der das Thema Verletzlichkeit auch eine wichtige Rolle gespielt hat sowie die Kula, die Yogama Gemeinschaft mit ihren wundervollen Lehrer*innen und Kund*innen. Dafür bedanke ich mich bei Allen von ganzem Herzen!

3) Was unterrichtest Du und weshalb war das Unterrichten während der Krise nicht möglich für Dich?
Mein Mann und ich haben zu Beginn der Krise noch in Kamerun im entwicklungspolitischen Kontext gearbeitet. Mitte März erhielten wir plötzlich einen Anruf mit der Mitteilung bitte schnellstmöglich unsere Abreise vorzubereiten um das Land zu verlassen. Die Grenzen würden bald geschlossen und man könne nicht sagen, wann sie wieder öffnen. Das war ein richtiger Schock, den wir erst mal verdauen mussten – aber dafür war überhaupt keine Zeit: Innerhalb von zwei Tagen mussten wir unseren ganzen Hausstand zusammen packen, Flüge und Rückreise organisieren, unser Leben in Kamerun von einem Tag auf den anderen beenden und die ganze Zeit bangen, dass wir es rechtzeitig schaffen. Leider kam der „Lockdown“ einen Tag vor unserem geplanten Rückflug, sodass wir noch 14 Tage in der Hauptstadt Yaoundé in einem kleinen Hotelzimmer darauf warten mussten, ob ein Rückkehrflug möglich sein wird. Auch die Rückkehr in der „heißen Phase“ der Corona-Zeit scheint mir im Nachhinein total verrückt, leere Flughäfen, im Flugzeug mit gerade mal fünf weiteren Personen, Berlin ohne Menschen und vor allem erst mal keine Wiedersehen, keine Umarmungen..

Das alles war wirklich nicht einfach und hat eine Menge Loslassen, Vertrauen und Demut gefordert. Umso schöner war es daher im Yogama-Studio anzukommen und eine neue Routine aufzubauen. In meinen Klassen versuche ich meine Lernerfahrungen zu teilen, für mich ist es wichtig als Lehrerin authentisch und nicht unnahbar zu sein, wir sitzen alle im selben Boot und wir gehen alle durch schöne als auch durch herausfordernde Zeiten. Yoga kann uns nicht von den harten Zeiten behüten, aber es kann uns einen Anker geben, eine Stütze sein und uns inspirieren, Herausforderungen mit Sanftmut zu begegnen und unsere eigene Kraft und Stärke immer wiederzufinden. Das möchte ich in meinen Unterricht vermitteln, dabei versuche ich die Praxis im Einklang mit der Umwelt zu gestalten und orientiere mich an Wetter, den Elementen, den Jahreszeiten, dem Mondzyklus und gegenwärtigen Themen. Je nachdem fällt die Klasse mal ruhiger und mal aktiver aus, allen gemein ist jedoch das dynamische Zusammenspiel zwischen Aktivität und Entspannung, zwischen Yin & Yang.

JAMES
1) Wie ist das Online-Unterrichten für Dich als NEW Teacher?
Das Online-Unterrichten für mich ist spannend. So viel kann passieren. Leute können spät ankommen, sie oder wir können technische Probleme haben vor und auch während der Klasse. Ich habe auch Kunden*in gehabt die sich nicht zeigen wollen und deshalb ist nur eine Buchstabe sichtbar. Es ist nicht immer einfach und nicht immer schön, aber gleichzeitig hat das Online Unterrichten für mich die Welt für mehr Kontakte geöffnet. Wenn ich nicht online unterrichtet hätte, hätte ich nicht all diese neuen Leute getroffen oder so viele wertvolle Erfahrungen als Lehrer gemacht. Es war und ist noch spannend herauszufinden was funktioniert und was nicht. Und es ist nie das selbe. Ich habe selbst auch als Kunde viel Online Yoga geübt und so die Online-Verbindung erlebt. Ich kann gut sagen - jetzt von beiden Seiten - dass es eine sehr tiefe und intime (persönlich/individuell) Erfahrung sein kann.

2) Was hat Dich die Krise persönlich gelehrt und was war/ist eine gute Stütze für Dich?
Diese Krise hat mir die erdende Kraft der Langsamkeit gelehrt und auch wie viel Raum für Kreativität es tatsächlich in uns gibt wenn wir raus aus unserer täglichen Routine kommen. Gleichzeitig hat die Krise mich gelehrt, wie ich mich mit meiner Praxis um meine Wurzeln kümmern kann. Kontakt mit Leuten und mein Yoga Unterricht waren und sind meine Stütze.

3) Was unterrichtest Du und weshalb war das Unterrichten während der Krise nicht möglich für Dich?
Wie auch immer ich meinen Unterricht nenne, mein Ziel ist es einen sicheren Raum, in dem meine Kunden*innen sich wohl und sicher fühlen können, zu gestalten. Ein Raum, durch den sie näher an ihren Körper, innen Self / Inneren Selbst und Essenz kommen können. Ich finde eine erdende Praxis mit Halt und Zeit für los lassen (auch mit der Stimme) effektiv um das/mein Ziel zu erreichen. Das ist was ich unterrichte. Das ist was ich bin. SO HUM
Ehrlich gesagt, hatte ich eine große Angst vorm Online Unterricht. Ich war neu als Yogalehrer und konnte die Verantwortung noch nicht tragen.

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